Weihnachtsgeschichte 2017

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December 20, 2017 by markusbuessecker

Es gibt sie auch in diesem Jahr, eine Weihnachtsgeschichte von mir verfasst:

Eine (Vor-)Weihnachtsgeschichte

Riiiiing, riiiiing“, klingelte der Wecker. Tine hielt sich das Kopfkissen über beide Ohren. Sie hatte keine Lust aufzustehen. Dabei war es der letzte Schultag vor Weihnachten. In zwei Tagen war es soweit, einer der schönsten Tage im Jahr stand an. Aber in diesem Jahr freute sich Tine überhaupt nicht auf das Fest. Sie hatte schlicht und einfach keine Zeit, sich auf Weihnachten zu freuen. Schule, Sport, Familie; Tines Terminkalender war immer voll.

Riiiiing“, machte sich der Wecker erneut bemerkbar.

Tine seufzte und stellte den Alarm ab. Es half ja nichts. Sie machte sich im Bad fertig, zog sich an und ging in die Küche. Dort stocherte sie lustlos in ihrem Müsli herum.

Was ist denn mit dir los?“, fragte ihre Mutter als sie Tines mürrisches Gesicht bemerkte.

Keine Ahnung“, erwiderte Tine.

Freue dich doch, heute ist der letzte Schultag und übermorgen Weihnachten“, versuchte ihre Mutter Tine aufzumuntern.

Ich weiß, aber irgendwie habe ich die Freude auf Weihnachten verloren“, sagte Tine traurig und dann musste sich auch schon los zur Schule.

Tine saß in ihrem Zimmer und sortierte ihre Schulmappen, als es an der Tür klopfte. Ihre Mutter streckte den Kopf herein und wedelte mit einem Kuvert.

Tine, du hast Post bekommen!“, sagte sie

Echt? Von wem dem?“, wollte Tine wissen.

Keine Ahnung, es steht kein Absender darauf. Nur der Empfänger und das bist du“, sagte ihre Mutter und legte den Brief auf Tines Schreibtisch.

Als die Tür wieder zu war, sah sich Tine den Brief genauer an. Das Kuvert war weiß, aber am Rand waren rote Schneeflocken gedruckt. Sonst gab es keine Verzierung. In der Mitte stand in Schreibschrift „Für Tine“. Mit einer Bastelschere schnitt sie vorsichtig das Kuvert auf. Darin war eine Seite weißes Papier, auch hier waren die roten Schneeflocken am Rand. Von Hand geschrieben stand da:

Weihnachten ist ein Fest der Sinne.

Das war ein Rätsel! Tine liebte Rätsel. Tine dachte über eine Lösung nach, als eine leise Melodie aus dem Nebenzimmer erklang. Dort spielte ihr Bruder Gitarre. Das war doch die Melodie von „Schneeflöckchen, Weißröckchen“. Tine war überrascht, dass man das Lied auf der Gitarre spielen konnte. Sie setzte sich hin und hörte einfach zu. Es war die beste Melodie auf der ganzen Welt.

Als ihr Bruder fertig war, sprang sie auf und ging zur Tür. Als sie diese öffnete, drang ihr ein unwiderstehlicher Duft in die Nase. Es roch nach Teig, Mandeln und Marmelade. Ihre Mutter backte die letzten Plätzchen. Sie ging in die Küche und tatsächlich stand dort ihre Mutter und holte ein Backblech mit Plätzchen aus dem Ofen. Es war der fantastischste Duft der Welt.

Darf ich probieren?“, fragte Tine

Aber natürlich, sie müssen nur ein wenig abkühlen“, lächelte ihre Mutter.

Tine nahm sich einen großen Stern vom Blech und biss ihn vorsichtig ab. Der Teig war noch warm und zerging ihr auf der Zunge. Es waren ganz viele Gewürze darin,die ihre Mutter nur in den Plätzchen verwendete. Es waren die leckersten Plätzchen der Welt.

Aus dem Wohnzimmer rumpelte und quietschte es. Tines Vater war dabei, den Weihnachtsbaum aufzustellen. Das war wie jedes Jahr mit allerlei Chaos verbunden. Erst musste der Baum angepasst werden: mal war er zu hoch, mal der Stamm zu dick oder es gab zu viele Äste. Dann musste ihr Vater mit einer Säge ran.

Du kannst schon mal den Weihnachtsschmuck bereitlegen“, sagte ihr Vater, während er eine sperrigen Ast absägte. Gemeinsam schmückten sie den Baum, bis kein Platz mehr frei war. Der Tannenbaum funkelte und glitzerte in seinem neuen Gewand. Bewundernd sah sich Tine den Baum an. Es war der schönste Weihnachtsbaum der Welt.

Als Tine am gleichen Abend in ihrem Bett lag und über das Rätsel nachdachte, stellte sie fest, dass sie sich gar nicht auf dessen Lösung konzentrieren konnte. So viele schöne Dinge waren heute geschehen.

Na, hast du das Rätsel gelöst?“ wollte ihre Mutter wissen, als sie Tine eine gute Nacht wünschte.

Nein, leider nicht“, sagte Tine.

Nun, manchmal muss man etwas mit allen Sinnen erfahren, bevor man ein Gefühl dafür bekommt“, sagte ihre Mutter und zwinkerte Tine zu.

Was meinst du damit?“, wollte Tine noch fragen, aber da war die Tür schon zugezogen. Und als sie sich in ihre Decke kuschelte, wusste sie es plötzlich. Sie hörte ihren Bruder noch einmal Gitarre spielen. Sie roch die Plätzchen ihrer Mutter und schmeckte deren einzigartigen Teig. Sie sah den geschmückten Weihnachtsbaum in all seiner Pracht. Da musst sie lächeln und ein wundervolles Gefühl breitete sich in ihr aus: Ihre Vorfreude auf Weihnachten war zurück.

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